Anton Tožbar - der legendäre Bärentöter

Anton Tožbar vulgo Špik-Medved

geb. am 3. Jänner 1835 in der Trenta bei der Kirche Santa Maria; gest. am 22. Dezember 1891 durch einen Unfall bei Holzschlägerungsarbeiten am Südhang des Prisank.


Den Namen Medved (slow. ;Bär) erhielt er nach seinem denkwürdigen Kampf mit einem Bären.


Tožbar, der erste Bergführer Julius Kugys in der Trenta, war ein fleißiger und unermüdlicher Bergbauer. Er besaß eine Kuh und zwanzig Schafe.


Seine Leidenschaft und Freude blieb – wie beinahe allen Trentanern der damaligen Zeit – die Jagd auf Gemsen und Wildhähne.

Trenta St. Maria: Anton Tožbar vulgo Spik, Holzarbeiter und Jäger, Nr.4, spricht slovenisch und deutsch;  führt auf Triglav, Jalouc, Suhi plaz und alle Trenta-Berge.

Chronik der Section Küstenland des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Triest 1884


 Anton Tožbar, genannt Spik, war der berühmteste Gemsjäger der Trenta.

Es ging von ihm die Sage, dass er sich wie kein anderer ungedeckt über Schutthalden mitten in die Gemsrudel heranschleichen könne und unfehlbar seine Beute hole.

 

Julius Kugy schreibt im Jahr 1878:

"Es dürfte vielleicht von Interesse sein, dass ich als Führer jenen bekannten Trentajäger Tozbar aufgenommen, dem vor ungefähr 6 Jahren in den Schluchten der Rasorka ein Bär die Kinnlade sammt Zunge weggerissen. In fast unverständlichen Lauten erzählte mir der muthige Mann, wie er jenen furchtbaren Kampf auf Leben und Tod mit Gewehrkolben und Messer bestanden, wie der schwerverwundete Bär mit Aufbietung seiner letzten Kräfte ihn der Waffen beraubte, endlich übermannte und im Todeskampfe verstümmelte; die früher kräftige Gestalt des Jägers ist nun gebeugt und elend; er kann nur flüssige Nahrung mittels eines Trichters zu sich nehmen; nichtsdestoweniger steigt er noch oft, sein sicheres Rohr auf der Schulter, in die Wände und späht mit einem einfachen Fernglas nach Gemse und Adler. Seine ganz ausgezeichnete Ortskenntniss,die Intelligenz und Anstelligkeit, mit welcher er mir beim Botanisiren behilflich war, kamen mir auf meinen Touren sehr zu statten."

Aufnahmen aus dem Slovenski planinski muzej in Mojstrana
Aufnahmen aus dem Slovenski planinski muzej in Mojstrana
Das Tožbar-Anwesen in Santa Maria di Trenta zu seinen Lebzeiten im Jahr 1896
Das Tožbar-Anwesen in Santa Maria di Trenta zu seinen Lebzeiten im Jahr 1896
Ein Bildstock nahe seines Hauses im Trentatal erinnert heute noch an das Unglück von Anton Tozbar
Ein Bildstock nahe seines Hauses im Trentatal erinnert heute noch an das Unglück von Anton Tozbar
Nachruf auf Anton Tožbar 1891
Nachruf auf Anton Tožbar 1891
Bildstock nahe Tozbars Haus
Bildstock nahe Tozbars Haus

"Am 22. December ereignete sich in den Bergen der Trenta ein Unglücksfall, welcher den Sectionsvorstand veranlasste, abermals an die Grossmuth der Mitglieder zu appelliren, indem er Folgendes veröffentlichte: »Der den meisten Touristen in den Julischen Alpen wohlbekannte Bergführer Anton Tozbar vulgo Spik von Trenta Sta. Maria, derselbe, welcher den letzten Bären jener Gegenden im verzweifelten Einzelkampfe erlegte, dabei aber sein halbes Gesicht einbüsste und seither, es sind über zwanzig Jahre, nur flüssige Nahrung, die er sich in liegender Stellung durch einen Trichter einflösste, zu sich nehmen konnte, der aber nichtsdestoweniger seinem Führerberufe mit seltener Gewissenhaftigkeit und aufopfernder Treue oblag, dieser Mann ist von dem Schicksale so mancher Gebirgsbauern ereilt worden, indem ihm ein Fichtenstamm, den er hoch oben im Gebirge ganz allein zu fällen beschäftigt war, so unglücklich auf den Kopf stürzte, dass er auf der Stelle todt blieb. An seinem Grabe trauert eine Witwe mit sechs unmündigen Kindern. Wenn sich dieselben auch nicht gerade dem Elende preisgegeben sehen, so sind sie doch sehr hilfsbedürftig, denn in der Trenta ist Alles und Jedes sehr arm. Wir thun daher gewiss keine Fehlbitte, wenn wir alle Diejenigen, denen der brave Tozbar treue Dienste geleistet, wie alle Jene, welche unsere hehre Gebirgswelt und die darin ein entbehrungsvolles Leben führenden biederen Leute lieb haben, herzlich angehen, mit milden Gaben helfend einzugreifen. Auch die kleinsten Spenden sind willkommen und werden beim Vorstande der Section »Küstenland« des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Herrn P. A. Pazze, mit Dank entgegengenommen. Die so eingeleitete Sammlung ergab 75 fl., welche genügten, um die Nothlage der Familie zu beheben, die ganze Trenta empfand aber aufs Tiefste diesen Act des Alpenvereins, welcher dadurch sehr an Ansehen und Sympathie gewonnen hat."


Aus der Chronik der Section Küstenland des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Triest 1893


"Tozbar, der Bärentöter, ist schon sehr lange tot. Es war ein trauriger Tag für mich, als ich die Nachricht erhielt, er sei beim Baumfällen vom stürzenden Stamm erschlagen worden. Nach einem so armen, so schweren Leben!

Sein Haus gegenüber dem Kirchlein Santa Maria führt nun sein Sohn, den ich von Kind an heranwachsen sah. Er ist ein starker Mann geworden, felsengewandt wie die besten Trentaner. Von seinem vorbildlichen Vater hat er die hohe Anständigkeit, den treuen Sinn und die rührende Anhänglichkeit geerbt. Er ist ebenso zärtlich zu seinen Kindern wie der Alte es war. Das kleine Tozbarhäuschen ist eine Stätte der weichen Herzen. Wenn ich bei ihm eintrete, macht er immer, wie sein Vater es tat, eine Bewegung, als wolle er in alter Vasallentreue ein Knie vor mir beugen, und die Tränen stehen ihn in den Augen, die so scharf und dabei so bittend blicken und so gut sind, wie die seines Vaters"

 

Julius Kugy, Aus dem Leben eines Bergsteigers, Bergverlag Rother 1925

Das Haus der Familie Tozbar - "Das Haus der weichen Herzen" neben dem Kirchlein Santa Maria di Trenta
Das Haus der Familie Tozbar - "Das Haus der weichen Herzen" neben dem Kirchlein Santa Maria di Trenta

Tožbars fuchtbarstes Erlebnis, der Nahkampf mit einem Bären, ging in die Geschichte der Julier ein:


In den Jahren 1870 und 1871 erhielten die Berge der Trenta beunruhigenden und unheimlichen Besuch. Ein Bär war erschienen. Man sprach davon, er sei aus den innerkrainischen oder aus den kroatischen Wäldern herbergekommen…… Tožbar nahm seinen Stand zu äußerst unterhalb der Planjawand, auf einem mit Krummholz bewachsenen Riegel…….Dies war der Schauplatz der letzten Phase des Treibens und des Kampfes Tožbars mit dem Bären, eine wilde Welt von Krummholz, Schutt und Felsen.

Der Bär erscheint vor Tožbars Stand. Dieser zielt auf achtzig Schritte Entfernung, trifft hinter dem Genick, doch nicht tödlich. Aufbrüllend und schwer blutend wird das Tier bergab flüchtig, es sucht Deckung, verschwindet im Krummholz, will sich wohl tiefer unten verkriechen. Tožbar ladet seinen einläufigen Vorderlader nochmals und nimmt, von den Schweißspuren geführt, die Verfolgung auf.

Da richtet sich plötzlich, zwanzig Schritte vor ihm, das Tier mit zornigem Gebrumm fürchterlich drohend auf. Ein zweiter Schuß fährt aus Tožbars Rohr, wieder ein guter Treffer, doch wieder kein sofort tödlicher. Die rechte Brustseite ist quer durchschossen, die Kugel ist gegen das Herz gedrungen, ohne es jedoch zu erreichen. Der Bär taumelt an die zehn Schritte zurück, fällt erst nieder, springt aber sofort wieder auf und stürzt unter schrecklichem Gebrüll auf Tožbar los. Er reißt ihn nieder, und wirft sich über ihn. Der wehrt sich als starker, todesmutiger Mann in verzweifeltem Nahkampf mit dem Kolben seines Stutzens, mit den schweren Bergstiefeln. Tožbar hat Kugy später erzählt, wie dabei die vor Wut und Schmerz brennenden kleinen Äuglein des rasenden Untieres ganz nahe über ihn funkelten und flackerten. Dies war auf einem schmalen Felsbande geschehen, auf dem kein Ausweichen oder flüchten möglich war……

Endlich bricht das Tier zusammen, es ist am Verenden. Aber noch im Todeskampf hat es dem unglücklichen Tožbar mit einem fürchterlichen Prankenschlag den Unterkiefer und die Zunge weggerissen. Auch hat es ihm schwere Bißwunden am rechten Bein und mit der scharfen Kralle tiefe Schrammen an den Armen zugefügt.

Die Jagdgenossen finden Tožbar besinnungslos in seinem Blute liegend, anscheinend dem Tode geweiht. Der Bär liegt verendet neben ihm. Sie tragen Tožbar zu Tal, wo er in die Hände eines geschickten Wundartztes kam, der ihm das Leben rettete und soweit als möglich wiederherstellte. Doch mußte er zeitlebens einen Schutzverband tragen, die auch schon aus dem Grunde, um den peinvollen Anblick der erlittenen schaurigen Verstümmelung zu verbergen. Sein auffallend kleiner Kopf war immer fest in einen Leinwandlappen und in ein Tuch gebunden. Wollte er Speise oder Trank zu sich nehmen, so legte er sich auf den Rücken und führte einen blechernen Trichter, den er stets bei sich hatte, in die Speiseröhre ein……

Noch zwanzig Jahre nach dem Kampf mit dem Bären fristete Tožbar sein mühseliges leben….

Tožbar wurde zu einer traurigen Berühmtheit des Trentatales.Viele Ärzte waren hingekommen, um seinen „Fall“ zu besehen. Er mußte sich auch um das „Schußgeld“ streiten, das damals bezahlt wurde.

Als aber Kaiser Franz Joseph in den 1880er Jahren durch Flitsch, das heutige Bovec, kam, wo man ihm Tožbar vofführte, gab er diese eine Prämie von fünfundzwanzig Gulden, was damals ein kleines Vermögen bedeutete.


Zwanzig Jahre nach seinem Kampf mit dem Bären hat ein zweiter Unglücksfall seinem Leben ein Ende gesetzt. Im Dezember 1891 ist im Wald am Südhange des Prisank ein von ihm gefällter Baum auf ihn gestürzt und hatte ihn erschlagen.


Nach Julius Kugy, Aus dem Leben eines Bergsteigers, Bergverlag Rother, München 


Ein „Marterl“, nicht weit von seinem Haus, das im Besitz seiner Nachkommen ist, erinnert noch heute an Anton Tožbar.

Die Legenden des Trentatales: Jože Komac, Ivan Berginc, Tožbar  und Andrej Komac
Die Legenden des Trentatales: Jože Komac, Ivan Berginc, Tožbar und Andrej Komac
Gedenktafel für Kugys legendäre Bergführer aus dem Trentatal nahe Tozbars Haus
Gedenktafel für Kugys legendäre Bergführer aus dem Trentatal nahe Tozbars Haus

"Es ist seit seinem Tode schon über ein halbes Jahrhundert her. Die Trenta erinnert sich seiner noch immer. Menschen und Zeiten vergehen. Die Sage von Anton Tozbar, dem Bärentöter, wird dort verbleiben und noch in kommenden spätesten Zeiten, einstiges schweres irdisches Leid mildernd und verklärend, durch jene wilden Berge ziehen!"


Julius Kugy, Aus vergangener Zeit, 1943