Julius Kugy

Erschließer der Julischen Alpen

"Wir sind immer lachend durch die Berge gezogen. Wie waren sie gütig zu mir. Wie überreich haben sie mich beschenkt! Ich neige mich vor ihnen in Dankbarkeit, in frommer Bewunderung und Demut. Ehre, Lob und Preis ihnen, immerdar!"


Julius Kugy - Arbeit, Musik, Berge, Ein Leben; 1931


Kugy-Denkmal an der Vrsic Strasse (Slowenien)
Kugy-Denkmal an der Vrsic Strasse (Slowenien)

Kugy Julius, Großkaufmann, Alpinist und alpiner Schriftsteller. Geb. am 19.7.1858 in Görz (Goriza); gest. am 5.2.1944 in Triest.

Sohn eines aus Lind bei Arnoldstein (Kärnten) stammenden Kaufmannes, der in Triest eine bedeutende Import- uns Handelsfirma für Kolonialwaren besaß, genoß im Elternhaus eine sorgfältige Erziehung. Hier wurde auch der Grund zu seiner musikalischen Ausbildung gelegt. Später bereicherte er als Chorleiter und Organist das musikalische und gesellschaftliche Leben Triests.


Kugy studierte an der Universität Wien Jus (1882 Dr.jur.).

1883 übernahm er nach dem überraschenden Tod seies Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Paul den in der ganzen Österreichisch-Ungarischen Monarchie angesehenen väterlichen Betrieb.

Brief aus dem Handelshaus Kugy in Triest 1905
Brief aus dem Handelshaus Kugy in Triest 1905

Zur Zeit seiner Matura unternahm Kugy seine ersten größeren Bergfahrten in den Ostalpen.

 

Ab 1878 begann er in den damals noch wenig erschlossenen und selten besuchten Julischen Alpen eine systematische Erschließungsarbeit zu leisten, die ihm ganz gelang.

 

1886 – 1913 machte er alljährlich im Sommer großzügige Bergfahrten in den Westalpen, besonders intensiv in den Walliser Alpen, in der Mont-Blanc-Gruppe und den Alpen des Dauphine´.

 

1915 meldete er sich im Ersten Weltkrieg mit 57 Jahren kriegsfreiwillig zum alpinen Dienst als "Alpiner Referent" an die Front der Westlichen Julischen Alpen.

Er verblieb dort bis 1918 und kehrte zwar unverwundet, doch aufgrund seines fortgeschrittenen Alters mit körperlichen Schäden, die ihn für immer berginvalid machten, nach Triest zurück.

Nach dem Tod seines Bruders und dem Rückzug aus dem nach dem Krieg grundlegend veränderten Geschäftsleben - die Firma war quasi mit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie untergegangen - startete er 1925 eine zweite Karriere als Schriftsteller (Deutsche, englische, französische und italienische Zeitungen würdigten damals sein erstes Buch "Aus dem Leben eines Bergsteigers" als das bedeutendste Werk über die Berge überhaupt!) und widmete sich noch bis ins hohe Alter ausgedehnten, vielumjubelten Vortragsreisen in halb Europa (Österreich, Deutschland, Schweiz, Holland, Tschechoslowakei, Jugoslawien).

Seine Lichtbild-Vorträge hießen u.a. "Alpine Nächte" oder "Bergstimmungen und Bergabenteuer".

 

Julius Kugy, Julische Alpen

 

 

Dr. Kugy in Steiermark !
 In der Woche vom 4. bis 9. April 1927 wird Dr. Kugy in den steirischen Sektionen Vorträge halten und zwar: Am Montag, den 4. April in Bruck, Dienstag, den 5. April in Knittelfeld, Mittwoch, den 6. April in Leoben. Donnerstag, den 7. und Freitag, den 8. April in Graz. In Graz finden die Vorträge im Physikalischen Hörsaal der Technischen Hochschule statt und werden die Besucher der Grazer Vorträge gebeten, sich rechtzeitig die Karten im Vorverkauf zu sichern. Vorverkaufsstellen sind die beiden A.V.-Geschäftsstellen: Hanns Seewann, Graz, Herrengasse 5 und Sporthaus Webenau, Graz. Herrengasse 28; außerdem sind Karten auch in den Büchereistunden erhältlich.

Wiener Kugy-Vortrag.
Der berühmte Hochalpinist Dr. Julius Kugy hält am Sonntag, den 10. Februar, 20 Uhr, im großen Saale des Wiener Volksbildungshauses, Wien, 5., Stöbergasse 15 (Straßenbahnlinie 6, 15, 61, 63), einen Lichtbildervortrag Von den Julischen Alpen zur Dauphine´". Karten sind erhältlich in der Geschäftsstelle der Sektionen Edelraute", Bergheimat", Reichenstein", „Steinnelke" und „Wienerland", Wien, 7., Mariahilferstraße 128, Ecke Neubaugürtel (Fernruf L-33-066).     1935

 

 

1934 wurde Dr. Julius Kugy vom jugoslawischen König Alexander der St.-Sava Orden verliehen.

 

Erstbesteigungen in den Julischen Alpen: Škralatica (1880), Hohe Gamsmutter (1886), Kaltwasser-Gamsmutter (1886), Hohe Weißenbachspitze (1886), Kleiner Mangart (1891), Krnicenturm (Karnizenturm, 1903), Spranjeturm (Cima de lis Codis, 1910), Montasch-Nordturm (1910).

 

Sonstige Neutouren: Triglav aus der Trenta (1881) und Kugyband (1882), Škralatica, Nordwand (1897), Razor, Nordwand (1888), Mlinerca-(Korita-)Scharte von Norden, Jaolvec von Norden (1884), Großer Kanin, mehrere Nordanstiege (1895 ff.), Wischberg, Neue Anstiege über die West- und Nordseite (1893, 1901, 1905 und 1911); Kaltwasser-Gamsmutter, Ost- und Nordwand (1913), Korspitze von Norden (1912); Montasch, Anstiege über die Nordwand (1892 und 1902), über die unmittelbare Südwand (1908) und 3 weitere Anstiege, Cima di Terra Rossa von Norden (1887), Cima Gambon von Nordosten (1902).

 

Erste Winterbesteigungen: Triglav, Prisank, Jalovec, Großer Kanin (1902), Montasch (1905).

 

Gipfelersteigungen u.a.:

40 mal auf dem Triglav
32 - 35 mal auf dem Montasch

15 mal auf der Skralatica

30 mal auf dem Wischberg

15 mal auf dem Jalovec

25-30 mal am Kanin
8-10 mal auf dem Prisank

 

 

Wichtigste begleitende Bergführer und wegkundige Begleiter in den Julischen Alpen:

A. und J. Komac, A. Oitzinger, A. Tozbar, G. und O. Pesamosca.


Obwohl Julius Kugy auch in den Dolomiten und den Schweizer und französischen Alpen Erstbegehungen gelangen, sind doch die Julischen Alpen bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden.

 

In Wien, München, Villach, Klagenfurt, Arnoldstein, Tarvis, Valbruna, Görz und Udine sind Straßen und Gassen nach ihm benannt. In Triest und in Klagenfurt gibt es eine Kugy-Schule, in Triest und Tarvis gibt es einen Kugy-Wanderweg und in den Julischen Alpen kaum einen Gipfel, auf den nicht ein Kugy-Weg führt.

 

 

Bücher:
"Aus dem Leben eines Bergsteigers", 1925
"Arbeit, Musik, Berge, ein Leben", 1931
"Die Julischen Alpen im Bilde", 1933

"Anton Oitzinger - Ein Bergführerleben", 1935
"Fünf Jahrhunderte Triglav", 1937
"Im göttlichen Lächeln des Monte Rosa", 2 Bände, 1940
"Aus vergangener Zeit", 1943

 

Quelle: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950,

           Julius Kugy, Aus dem Leben eines Bergsteigers, Bergverlag Rother

           Julius Kugy, Arbeit-Musik-Berge, Ein Leben, Bergverlag Rother

"Blicke ich zurück auf mein Leben, so dünkt es mir, als schaue ich von einer erreichten, ruhigen Höhe hinab auf einen farbig blühenden Garten. Viel warmes Glück ist mir beschieden gewesen, viel Schönheit, viel reine Freude. Auch manches schwere Leid, das aber leise und allgemach im lindernden Duft der Ferne verschwimmt...."


Julius Kugy, Arbeit-Musik-Berge, Ein Leben, Bergverlag Rother, 1931


Dr. Julius Kugy
Dr. Julius Kugy

"Nun sind wir schon gar lange mitsammen gewandert, ihr lieben Freunde. Es schlägt die Stunde, da wir uns trennen müssen. Ich reiche jedem von euch zum Abschied von Herzem die Hand. Gute Wanderschaft für weiterhin, und Gott schütze und segne euch!"

 

"Gedenket meiner und behaltet mich lieb."

 

Kugys letzte Worte in seinem 1943 posthum erschienenen Werk "Aus vergangener Zeit"


Ein Nachruf

 

Der „König der Julier“


Abschied von Dr. Julius Kugy


Aus Triest traf die Nachricht ein, daß dort der Nestor der Bergsteigergilde, der Erschließer der Julischen Alpen, genannt der König der Julier, Dr. Julius Kugy, gestorben ist.


Sein Tod bedeutet einen großen Verlust für seine zahlreichen Freunde und Verehrer und auch in der Untersteiermark wird es noch viele geben, die sich an die Februartage 1932 erinnern, da Dr. Kugy die Städte Marburg und Cilli besuchte und Vorträge hielt, die sich eines überaus starken Besuches erfreuten.

Dr. Kugy ist am 19. Juli 1858 als Sohn eines Triester Großkaufmannes geboren. Schon in frühester Jugend wurde dem Knaben die Liebe zur Natur vermittelt, und das Bergsteigen und Wandern gehörte bald zu seinen Lieblingspassionen. Hand in Hand damit ging auch ein großes Interesse für Botanik. Ein überaus großes musikalisches Talent brachte es mit sich, daß er sich auch dieser Kunst widmete, wo er besonders auf der Orgel vielbewunderter Meister wurde. Nach Absolvierung seines Studiums und Erwerbung des Doktortitels widmete sich Dr. Kugy dem Geschäfte seines Vaters, aber immer fand er noch Zeit für seine geliebten Berge und die Musik. Als im Jahre 1914 der Weltkrieg entbrannte, meldete sich Dr. Kugy trotz seiner 56 Jahre freiwillig zum Frontdienst und hat als alpiner Referent seinem Vaterlande hervorragende Dienste geleistet.

Dem Wunsche seiner vielen Freunde und Verehrer entsprechend, schrieb Dr. Kugy nach Zurückziehung von seinem Geschäftsbetrieb sein erstes Buch, betitelt „Aus dem Leben eines Bergsteigers“, in dem er, begleitet von schönen Bildern, in wunderbar fesselnder Weise erzählt, was ihm seine geliebten Berge in den langen Jahren seines Lebens an Arbeit, Freude und Erholung geschenkt haben. Ein zweites Buch „Arbeit – Musik - Berge – Ein Leben“ fand gleichfalls begeisterte Aufnahme. – In weiterer Folge erschien dann das herrliche Bilderbuch: „Die Julischen Alpen im Bilde“, eingeleitet von poesievollen Worten zum Lob und Preise des Alpenparadieses.

Aber auch seine braven und getreuen Bergführer und Begleiter in die Welt der Berge hat Dr. Kugy nicht vergessen, und manchem von ihnen in seinen Büchern ein ehrendes Denkmal gesetzt, seinem allergetreuestem aber, Anton Oitzinger, dessen Leben ein geradezu romanhaftes war, widmete er ein ganzes Buch, das unter dem Titel „Anton Oitzinger – Ein Bergführerleben“ erschienen ist. Und wieder arbeitete Dr. Kugy an einem großen, diesmal ausgesprochen historischem Werk, das die Erschließungsgeschichte der Julischen Alpen, besonders des Götterthrones, des ehrwürdigen Triglav, zum Thema hat und das zu schreiben keiner mehr berufen war, als der Altmeister Dr. Julius Kugy. Dieses Werk trägt den Titel: „Fünf Jahrhunderte Triglav“. Es ist gleich den beiden letzten genannten Büchern im Leykam-Verlag in Graz erschienen, während die beiden ersten Werke im Bergverlag Rother in München herausgegeben wurden. Nun folgte als sechstes Werk die in zwei Bänden erschienene Geschichte des Monte Rosa, betitelt: „Im göttlichen Lächeln des Monte Rosa“ und als letzte Arbeit des großen Bergpoeten ein Buch: „Aus vergangenen Tagen“, dessen erscheinen er leider nicht mehr erlebte, das aber allen seinen vielen Freunden ein teures Vermächtnis sein wird. Auch diese beiden Werke sind, bzw. werden im Verlag Leykam in Graz erscheinen.

Nun hat Dr. Kugy Abschied genommen von der Welt, von seinen geliebten Bergen und all den vielen Menschen, die ihm nahestanden und denen er mit seinen seelenvollen Schriften so viel geschenkt hat. Sein Andenken wird ihnen allen teuer sein und in Ehren stehen, seine Seele aber schwebt über seinen geliebten Juliern, über dem Götterthron des ehrwürdigen Triglav.


Wilhelmine Wiesler, Marburger Zeitung, 11. Februar 1944


Bericht zum 150. Geburtstag Julius Kugys
in der Zeitschrift Bergauf des OEAV 04-2008
Julius Kugy zum 150 Geburtstag.pdf
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Büste von Julius Kugy in seinem Feriendomizil in Wolfsbach, Valbruna
Büste von Julius Kugy in seinem Feriendomizil in Wolfsbach, Valbruna