Handelshaus Kugy Triest 1842 - ca. 1920

Triester Großkaufmannshaus ersten Ranges in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie

Das Triester Kommissionsgeschäft "Pfeifer Kugy" wurde 1842 von Paul Kugy, eines aus Lind bei Arnoldstein (Kärnten) stammenden Kaufmannes, mitbegründet.

Triest erlebte damals seine goldene Zeit, war die bedeutendste und wichtigste Handelsseestadt Österreichs, Umschlagplatz für den Großteil Mittel- und Südeuropas und die gesamte Österreichisch-Ungarische Monarchie, und nach Wien und Budapest die drittgrößte Stadt des Kaiserreiches.

15.000 Schiffe liefen jährlich ein und aus.

Die Firma genoss einen ausgezeichneten Ruf und war sehr angesehen.

 Nach dem plötzlichen Tod seines Mitgesellschafters und folgenden Erbschaftsstreitigkeiten liquidierte Paul Kugy die Firma und gründete die neue Firma "P. Kugy". 

Gehandelt wurde mit 3 großen Warengruppen:

Kaffee, Öle und getrocknete Südfrüchte.

Die Kunden (ungefähr sechstausend treue Stammkunden) befanden sich in der gesamten Österreichisch-Ungarischen Monarchie, der Schweiz, Süddeutschland, Polen, Rußland und den Balkanländern.

Nach dem überraschenden Tod von Paul Kugy 1883 führten seine Söhne Paul und Julius die Firma erfolgreich weiter, bis sie nach 1918 mit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie unterging.

Factura des Handelshauses Kugy aus dem Jahr 1910 über 5 Kisten Sultaninen und 2 Ballen Prime Caffe´ - Versand mittels Bahn nach Kolozsvar (Klausenburg) im heutigen Rumänien
Factura des Handelshauses Kugy aus dem Jahr 1910 über 5 Kisten Sultaninen und 2 Ballen Prime Caffe´ - Versand mittels Bahn nach Kolozsvar (Klausenburg) im heutigen Rumänien
Triest zu Kugys Zeiten
Triest zu Kugys Zeiten

 

Ein Rundgang mit Julius Kugy durch sein Handelshaus:

 

"Unser Geschäft befand sich damals in der Via Crociera, acht. Das ganze Erdgeschoß rechts und links von der Torhalle war von Magazinen eingenommen. Es ware zwei Riesenräume mit säulengestützten, hochgewölbten Decken, die durch das ganze, tiefe Haus bis zu den Hinterhöfen liefen. Das eine für den Kaffee bestimmt. Da lagerten oft Tausende von Säcken, nach den Herkunftsländern geordnet, zu kostbaren Spalieren sorgsam hoch aufgeschlichtet, auf etwas erhöhten Bohlenböden. Es waren die Brasilkaffees vorhanden: die Rio, Santos, Minas, Campinas, gewaschen und ungewaschen, bis hinab zu den gemeinen Capitana und Victoria mit den bösen Steinen und dem lästigen schwarzen Einwurf. Der ausgezeichnete "Brenner" Manillas. Dann die feinen Produkte der zentralamerikanischen Inseln die kräftigen San Salvador, die San Domingo mit der schlanken, weißen Bohne, die festgefügten Portoricco, von den gewöhnlichen "gebleiten" Sorten über die "Cyrnos", "Florida", "Estrella" aufwärts bis zur geradezu fürstlichen Marke der berühmten Plantage "Pieraldi". Das Ocker- und Goldgelb der ausgelagerten javanischen Sorten, das entzückend tiefe Blau von Javas "Westindischer Bereitung", der herrlich duftende, lichtgrüne Mokka in den Fardi aus geflochtenem Stroh.

Dazu die gewaltigen Riesenmaragogyp und die absonderlich geformten Liberia Afrikas, deren Bohnen manchmal schon kleinen Kähnen gleichen wollten. Auch der feinglasierte Ceylonkaffee kam damals noch herauf, ehe die dortigen Kaffeeplantagen den Tee- und Baumwollpflanzungen hatten weichen müssen: in verschiedenen Siebungen, in großer, kleiner, flacher und Perlbohne, "Triage" dazu, sorgsam verpackt in großen Fässern und in kleineren Barrels. Im Hintergrunde des Kaffeemagazins standen der Motor und Maschinen für die Bearbeitung des Kaffees.

Preisliste aus dem Jahr 1895
Preisliste aus dem Jahr 1895

Der zweite, eher noch größere Raum war für die Südfrüchte: Mandeln, Johannisbrot aus Italien, aus Dalmatien, Zypern, Candia, rote, schwarze Rosinen, Sultaninen in Säcken, in Kistchen, Corinthen, Haselnüsse, Calamatafeigen in Kränzen und lose Feigen aller Art und Herkunft in Säcken, in Kisten, Körben, Trommeln, die feinen Smyrner in Kartons, Hasel- und Pinienkerne, im November bis kurz vor Weihnachten Alexandriner Datteln. Stand ein Fäßchen davon offen, so blieben meine lieben Besuche gerne einige längere Augenblicke, im Nachdenken versunken, davor stehen. Sie schmecken gar so gut!

Preisliste aus dem Jahr 1895
Preisliste aus dem Jahr 1895

Ganz rückwärts der geschlossene, im Winter heizbare Abteil für die Öle: In Reih und Glied die ungeheuren, weißgetünchten "Tinen" aus Eichenholz mit fünfzig bis hundert, die "Cassoni", die eisernen Ständer, mit hundert bis hundertfünfzig Meterzentnern Fassungsraum. Da lagerten in reicher Abstufung Samenöle aller Art, aus Sesam, Arachide-, Lein-, Sonnenblumensaat gepreßt, und reine Olivenöle, italienische, dalmatinische, griechische, auch spanische, vom scharfriechenden Maschinenöl angefangen bis hinauf zu den gänzlich geruch- und geschmacklosen, wie sie der verwöhnte Tisch verlangt, zu der damals für mich unübertrefflichen Marke SD Molfettas mit dem leisen, feinen "Olivenbouquet". 

 

Bestellung an das Handelshaus Kugy im Jahr 1877:

Bestellung an P. Kugy über "1 kleines Fassl ca 50 / 60 Kilo Tafeloel zum offerierten Preis" aus Hall in Tirol vom 22. Juni 1877
Bestellung an P. Kugy über "1 kleines Fassl ca 50 / 60 Kilo Tafeloel zum offerierten Preis" aus Hall in Tirol vom 22. Juni 1877

Überall reges Leben, hämmern, klopfen, ankommende, abgehende Ware; schwer beladene Ochsen- oder Pferdekarren vor den Toren, Fachine, die trugen und rollten, schlichteten, vernähten, banden, füllten, wogen, jede Arbeiterschar unter ihrem "Capo", iherm Anführer. Die hatten fast adelig klingende Namen: "Pepi del Oio", "Toni del Caffe´" - "Der Pepi vom Öl", "Der Toni vom Kaffee", tüchtige, gediente Leute, die ruhigen Blickes und gemessenen Schrittes ihre schwere Arbeit taten. In unserem Hause sind viele vierzig- und fünfzigjährige Arbeitsjubiläen gefeiert worden. Und nicht selten sind sie auch meine Ratgeber gewesen. Ich scheute mich nicht, auch diese einfachen, aber mit der Ware aufgewachsenen und verwachsenen Männer mitreden zu lassen, wo ich meinte eines Rates zu bedürfen, und bin damit sicherlich nie schlecht gefahren.

Im ersten Stockwerk war unser Bureau. In drei Zimmern saßen die Herren etwas gedrängt beisammen: Chef-, Kassen-, Buchzimmer. Im vierten empfing ich die Agenten und Sensale, hörte ihre täglichen Berichte, verglich die Muster, besprach den Einlauf an Briefen, diktierte die Antworten. Es waren nicht griesgrämige Mienen bei uns, es wehte gesunde, frohe Luft. Der Triester Handel stand damals in vollster Blüte. Die gesamte Stadt war Freihafengebiet..."

 

Julius Kugy, Arbeit - Musik - Berge, Ein Leben 1931, Bergverlag Rother

Dr. Julius Kugy, Via San Anastasio, Triest
Dr. Julius Kugy, Via San Anastasio, Triest
Das geschäftigeTriest im Jahre 1898
Das geschäftigeTriest im Jahre 1898
Triest um 1875
Triest um 1875